Hirngestürm

Hirngestuerm
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Die Kulturfalle

In eines Strassenkoeters Ohr
hatte ein Floh sein trautes Heim.
Ich rede hier von Theodor,
der gern trank Blut, wie andre Wein.

Sein Strassenkoeter hatte mal
ne Schaegerei mit einem Pudel.
Der war frisiert und trug nen Schal,
kam aus nem kultivierten Rudel.

Dem Pudel ein Geruch entwich,
für Theo unwiderstehelich.
So sprang er über durch die Luft,
entzückt von Pudels feinem Duft.

Da fand er eine schöne Stelle
im wollig weichen, schicken Schal.
Vom Duft betört, gar nicht mehr helle,
traf Theo nun die falsche Wahl ...

Die Schlägerei der beiden Hunde
dauerte bis zur zweiten Runde.

Der Pudel, furchtbar schwer verletzt,
kroch heimwärts, ganz mit Blut benetzt.

Da soff sich Theo richtig satt
und wurde davon müd und matt.
Er legte sich zum Schlafen nieder.
Der Wollschal köstlich roch nach Flieder.

Inzwischen war der Pudel tot.
Dadurch kam Theo auch in Not:

Denn heil geblieben an dem Hund
war nur der Schal, hübsch weich und bunt.
Des Pudels Frau wollt ihn noch brauchen,.
zuvor jedoch in Wasser tauchen.

Theodor im Schal verschlief,
nicht einmal er um Hilfe rief.
Der Floh ertrank in duft´ger Lauge,
geschlossen blieb sein schläfrig Auge.

Sauber, duftend und ganz weich
ging er sodann ins Totenreich.
Dort traf er, ach, den Pudel wieder
und blieb ihm fern, das war ihm lieber.

Denn die Moral von der Geschicht:
Was nach dem Tod kommt, weiß man nicht ...

© Ellen Gorzelany